28. Januar 2026

Nero Perla – die neue anerkannte Kanarienfarbe

Nero Perla – die neue anerkannte Kanarienfarbe

Vom ersten Auftreten der Mutation „Nero Perla“ bis zur internationalen Anerkennung durch die C.O.M. sind 12 Jahre vergangen. Der italienische Kanarienzüchter und C.O.M./O.M.J.-Preisrichter Carlo Maria Nobili, bei dem die Mutation auftrat, hat zusammen mit dem Italiener Gianmaria Bertarini viel Zeit und Energie aufgewendet, die Mutation bekannt zu machen. Drei Jahre lang wurden diese Vögel durch ein Anerkennungsverfahren geführt. Nun sind die Anstrengungen von Erfolg gekrönt, zur Weltmeisterschaft in Marche-en-Famenne (Belgien) konnte am 14. Januar 2026 diese Kanarienfarbe in den C.O.M.-Farbenkanarien-Standard aufgenommen werden.

Ursachen der Mutation

Die Perla-Mutation weist einzigartige Merkmale auf, die keine Ähnlichkeit mit anderen bekannten Mutationen haben. Nur die Spitzen der Flügel- und Schwanzfedern, die Stirn und die Läufe, Zehen und Krallen werden durch Melanin kräftiger gefärbt als das restliche Gefieder.

Bei Säugetieren gibt es eine vergleichbare Fellfärbung (Kaninchen, Katzen, Nerzen, Ratten u. a.) die dort meist als Himalya-Farbe oder Colour-Point bezeichnet wird. Hervorgerufen wird diese Fellfarbe durch die Allel-Variante „h“ auf dem Chromosomenabschnitt (Locus) „C“, der das Tyrosinase-Gen „TYR“ beinhaltet. Das TYR-Gen produziert das Enzym Tyrosinase, das wiederum entscheidend für die für den ersten Schritt der Melaninsynthese ist. Es sind mehr als 100 Mutationen des TYR-Gens bekannt, die zu einer fehlerhaften, verringerten oder fehlenden Melaninproduktion führen können.

Eine dieser Mutationen ist eine wärmeempfindliche Tyrosinase, die bei Körpertemperaturen um 37°C vollständig oder fast vollständig deaktiviert wird und nur an den kühleren Körperteilen die Bildung von Melaninen zulässt. Das sind bei Säugetieren der Kopf mit Ohren, die Beine und Füße und der Schwanz. Die Kerntemperatur des restlichen Körpers ist deutlich höher und dort wird die Melaninproduktion verringert oder fällt ganz aus. Diese Mutation wird meist als Kälteschwärzung, Akromelanismus oder thermosensitiver Albinismus bezeichnet und gehört zum Formenkreis des Okulokutanen Albinismus Typ 1 (OCA 1A). Mit der Kanarienfarbe „Nero Perla“ ist erstmals auch bei Vögeln eine solche Mutation aufgetreten und dokumentiert.

Die Entwicklung zum gewünschten Phänotyp

Frisch geschlüpfte Nero Perla haben blaue Augen

Wie bei allen akromelanistischen Tieren, sind auch Vögel mit dieser Eigenschaft bei der Geburt noch ganz ohne Melanin (albinotisch) und werden dann, abhängig von der Innentemperatur des Nestes, dunkler. Im Gegensatz zu anderen Albinos haben frisch geschlüpfte Perlas keine roten, sondern blaue Augen. Mit zunehmen Alter verschwinden die blauen Augen und werden so dunkel, dass sie schwarz erscheinen.

Mit der Entwicklung der Federn an den kühleren Körperteilen wird in die zuerst wachsenden Federspitzen noch viel Melanin eingelagert. Je mehr die Temperatur unter 37°C an diesen Stellen sinkt, umso dunkler ist das eingelagerte Melanin. Mit der fortschreitenden Federentwicklung kommt es zunehmend zu einer Wärmeisolierung des Körpers, so dass in die jetzt gebildeten Federn und Federteile weniger Melanin produziert und einlagert wird; die Federn und Federteile werden heller.

Die Entwicklung der Melaninpunkte ist also von der Umgebungstemperatur abhängig. Wenn das Weibchen die Nestlinge besonders gut wärmt und nur selten das Nest verlässt, wird die Körpertemperatur am Kopf, Flügelenden und Bürzel der Jungvögel nicht unter 37°C fallen; die Ausprägung der Melaninpunkte wird nicht optimal sein. Findige Züchter lassen deshalb die Jungvögel in den ersten Tagen von Hausgimpel-Weibchen (Haemorhous mexicanus) aufziehen, da diese das Nest zeitiger und häufiger verlassen und weniger hudern. Die kleine Abkühlung, die dabei entsteht, ist von Vorteil, um die besten Farbpunkte zu erhalten.

Feder des Großgefieders mit melaninhaltiger Spitze

Bei Jungvögeln mit vollständig ausgebildetem Gefieder besitzen alle Federspitzen noch Melanin. Während der Mauser im ersten Lebensjahr hält das schon vorhandene Gefieder (das den Nestlingen noch fehlte) die Spitzen der neu wachsenden Federn warm. Dadurch wird die Melaninentwicklung gehemmt und das führt zu einer hellen perlgrauen Federfärbung.

Da die Daumenfedern (Alulae), die Hand- und Armschwingen und die Schwanzfedern im ersten Lebensjahr nicht ersetzt werden, behalten sie ihre dunklen Federspitzen. Es kann jedoch vorkommen, dass diese Federn durch Raufereien verloren gehen. Die nachwachsenden Federn bilden dann allerdings keine schwarzen Federenden aus, weshalb man auch von „flüchtigen Farbpunkten“ spricht.

Ein weiteres Merkmal ist die Melaninfärbung um den Schnabel herum, die aber nicht den Bereich unter dem Schnabel betrifft. Diese Maske wird nicht durch sexuellen Dimorphismus bestimmt, wie beispielsweise bei Mosaikkanarien.
Die Hornteile können als dunkel bezeichnet werden, wenn sie auch nicht so schwarz sind wie bei den klassischen schwarzen Kanarien.

Nach der ersten Vollmauser im zweiten Lebensjahr gehen alle dunklen Federspitzen verloren und werden durch ein einheitliches helles Perlgrau ersetzt. Nur der vordere Teil des Kopfes bleibt etwas dunkler. Interessanterweise behalten Perla-Kanarienvögel über die Jahre hinweg einen stabilen Melaninbereich auf dem Kopf, der sich sogar verstärken und bis zum Nacken ausdehnen kann. Allerdings nur, wenn während der Mauser kühle Temperaturen (um 10°C oder weniger) herrschen. Bei höheren Temperaturen (25°C und mehr) kann das Melanin am Kopf in den folgenden Jahren verschwinden.

Vererbung

Die Perla-Eigenschaft wird autosomal (unabhängig vom Geschlecht) rezessiv vererbt. Das bedeutet, das der gewünschte Phänotyp nur bei homozygoten (gleicherbigen) Vögeln sichtbar wird. D. h. beide Allele des Gens müssen mutiert sein. Somit gibt es Vögel, die spalterbig in Perla sein können – Männchen und Weibchen.

Glücklicherweise waren die ersten Nero Perlas dominant weißgrundig – sonst wären sie möglicherweise nicht entdeckt worden – denn sie zeigten das stark verdünnte Melanin außerhalb der Farbpunkte sehr deutlich.

Nero Perla weißgrundig
Nero Perla Gelbmosaik Typ 2

Inzwischen konnte die Perla-Eigenschaften auf alle Lipochromvarianten übertragen werden. Das perlgraue Melanin geht mit der jeweiligen Lipochromfarbe eine Mischung ein. In Verbindung mit Gelb wirkt das gelbe Lipochrom deshalb etwas schmutzig, und in Verbindung mit Rot bekommt das rote Lipochrom einen dunkleren Farbton.

Auch Versuche mit braunen Perlas wurden gemacht, jedoch sind diese nicht so kontrastreich. Das schließt derzeit auch die Kombination mit anderen verdünnten Melaninfarben aus.

Standardbeschreibung

Kanarienvögel mit der Perla-Mutation zeichnen sich durch eine starke Aufhellung (Verdünnung) der Melanine aus. Sie tritt, je nach Körperbereich, in unterschiedlichem Ausmaß auf. Die Mutation ist derzeit nur in Verbindung mit klassischem Schwarz zugelassen (Nero Perla).

Das Körpergefieder und die Schwung- und Schwanzfedern sind einheitlich perlgrau. Eine schwach erkennbare perlgraue Melaninzeichnung ist auf dem Rücken zulässig, ist jedoch nur bei Weißgrundigen und bei Mosaikvögeln außerhalb der Mosaikareale sichtbar. Nur die Spitzen der Schwung- und Schwanzfedern und die Daumenfedern (Alulae) sind dunkelgrau bis schwarz. Die Stirn besitzt dunkles Melanin (je dunkler, desto besser wird sie bewertet), Scheitel und Wangenstreif sind mit dunkelgrauem Melanin durchsetzt und bilden eine Maske.

Nero Perla Rot intensiv
Nero Perla Rot nichtintensiv

Braunes Eumelanin ist unerwünscht und braunes Phaeomelanin wird, je nach Menge, als Fehler angesehen der bei einer Bewertung mit Punktabzug geahndet wird.

Der Schnabel, Ständer, Zehen und Krallen sollen möglichst dunkel sein, jedoch nicht so schwarz wie beim klassischen Schwarzvogel.

Ich bedanke mich recht herzlich bei meinen Züchterfreunden Carlo Maria Nobili und Gianmaria Bertarini für ihre umfangreichen Berichte und für ihre persönlichen Hinweise. Norbert Schramm

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